Wieder schicke ich viele Grüsse aus dem tiefen Nordwesten Argentiniens in die Heimat.
Und jetzt ist schon ein halbes Jahr rum. Meiner Meinung nach ging es viel zu schnell rum. Hier sitze ich also wieder vorm PC und weiss noch nicht so recht, wo ich anfangen soll.
Ich fange mal mit Weihnachten an.
Da Argentinien ein christliches Land ist (zumindest die Mehrheit der Bevölkerung ist christlich, meist katholisch, wie in vielen, eigentlich allen lateinamerikanischen Ländern), gibt es hier natürlich auch Weihnachten. Allerdings gibt es hier ein paar Unterschiede. Zum ersten, das dürfte wohl der wichtigste Unterschied sein, wird man hier niemals Schnee zu Weihnachten sehen, und auch keine winterlichen Temperaturen. Hier ist zu Weihnachten nämlich Sommer. Hochsommer. Das heisst, man isst um Mitternacht den Weihnachtsbraten, bzw. in meinem Fall, das Weihnachtshuhn, in Sommerkleidung. Und wenn es nicht regnet, isst man draussen. Zum Weihnachtsfest gehört auch hier ein Weihnachtsbaum, mit Lichterketten und allem drum und dran. Allerdings haben wir hier weder echte Tannenbäume noch echte Kerzen benutzt, da ein echter Tannenbaum hier nicht wächst, (ich bin hier ja in einer mehr oder weniger subtropischen Zone, wo es noch nicht mal im Winter schneit) zudem würde der Baum innerhalb von ein, zwei tagen total austrocknen. Also dann einen Plastikbaum.
Weihnachten ist zudem ein Fest der Familie, wie auch in Deutschland. Allerdings war nicht die ganze Familie zu gast, sondern nur der Onkel meiner Gastmutter, sowie ihre Cousine und deren Familie.
Das Weihnachtsessen ist schon was grosses. Neben zwei ganzen Hühnern gab es auch Kuchen, Torte und Turron, eine Spezialität aus Haferflocken, Kakao, Zucker und noch ein paar anderen Zutaten, die ich nicht kenne. Auf jeden Fall ist es unglaublich lecker und klebrig. Die Bescherung fand dann um Mitternacht statt. Ich habe mich dazu als Weihnachtsmann verkleidet, etwas, das in meiner Gastfamilie Tradition hat. Zuerst wurde das wegen meinen Gastbrüdern gemacht, jetzt ist es mehr für die Kinder der Cousine meiner Gastmutter, Ignacio und Joaquin, und seit diesem Jahr auch für Nicolas, wobei er meistens schläft, weil er erst 4 Monate alt ist.
Nach der Bescherung wurden noch Böller gezündet. Noch ein Unterschied zu Deutschland.
Zur Kirche sind wir allerdings nicht gegangen. Meine Familie glaubt zwar an Gott, aber Kirchgänger sind sie nicht.
Sylvester haben wir bei der Familie der Cousine meiner Gastmutter verbracht. Es war eigentlich sehr ähnlich wie Weihnachten, nur ohne Bescherung. Stattdessen gab es um Mitternacht die Böller und Raketen.
Das neue Jahr haben wir mit einer kleinen Urlaubsreise begonnen. Wir sind zusammen mit zwei Freunden meiner Gastbrüder nach Santa Maria, Catamarca gefahren.
Alleine schon die Hinfahrt war sehenswert. Wir sind durch die Berge hingefahren. Der höchste Punkt, den wir mit dem Auto passiert haben, war „el Infiernillo“, mit 3042m höher als die Zugspitze. Und überall waren Lamas und Kakteen. Eine sagenhaft tolle Landschaft. Aber ziemlich trocken.
In den zwei Wochen waren wir die grösste Zeit am Fluss, Mate, das Nationalgetränk, am trinken oder auch mit einem grossem Gummireifen über die Wellen am reiten. Die Abende haben wir mit Freunden in einer Bar verbracht und/oder in der Disco. Die beste Nacht war die Kostümparty. Da war wirklich jeder. Zurück ins Ferienhaus waren wir dann gegen 8 Uhr am morgen.
Wir sind ebenfalls ein Tag in die nahen Berge gewandert und haben dort ein Picknick gemacht.
Der Rest war grösstenteils entspannen.
Zurück in Yerba Buena bin ich Anfang Februar dem Rugbyclub „Jockey Club Tucumán“ beigetreten, um diese Sportart kennenzulernen. Angefangen haben wir mit Aufbautraining, um eine physische Basis, also Ausdauerbasis herzustellen. Das heisst, wir sind die ersten 4 Wochen gelaufen, gelaufen und gelaufen. Eine tolle Abwechslung gab es am Samstag der zweiten Woche. Wir zwar auch wieder gelaufen, dieses Mal aber nicht die Strasse entlang, sondern 3 Stunden durch den Wald. Mit zum Teil richtig tollen Aussichten beziehungsweise Landschaften.
Mittlerweile haben wir schon angefangen mit Tackle, Passspiel, Verteidigung, Angriffsformation und mehr. Und Samstag, 7.3., war das erste Testspiel dieses Jahres. Allerdings war ich da leider wegen eines Infekts nicht dabei.
Jetzt fing auch die Schule wieder an, das heisst Donnerstag, 5.3. Dieses mal werde ich morgens gehen, um mittags mehr zeit zu haben.
Ab sofort muss ich früh aufstehen, um 7.30Uhr in der Schule zu sein.
Und ich wurde wieder herzlich aufgenommen von meinen neuen Schulkameraden.
Dieses Jahr werde ich wahrscheinlich ein paar Tests mitschreiben. Ich versteh spanisch ja mittlerweile ziemlich gut.
Die Fächer hier sind zum Teil komplett anders als in Deutschland. So gibt es zwar auch Sprachkunde (in Deutschland heisst das dann Deutsch), Mathe und Englisch. Aber hier gibt es zum Beispiel auch Wirtschaftslehre, Instruccion civica (was das genau ist, weiss ich noch nicht), und andere. Ich stelle einfach mal den Stundenplan ´rein.
Ein normaler Schultag fängt damit an, das ich gegen halb sieben aufstehen, mir die Schuluniform anziehe (dunkelblaue Hose, weisses Hemd, blaue Krawatte, schwarze Schuhe und natürlich kurze Haare und rasiert) und nach dem Frühstück gegen viertel nach sieben das Haus verlasse. In der Schule stellen sich dann alle Schüler um 7:30Uhr auf dem Hof auf, sprechen die Fahnenhymne (woanders wird sie gesungen), während zwei Schüler die argentinische Flagge hochziehen, und danach noch ein Gebet und es geht in den Unterricht.
| Zeit | Montag | Dienstag | Mittwoch | Donnerstag | Freitag |
| 07:30-08:10 | Religion
| Gestion y calculo financiera
| Instrucción Civica (*) | Cultura y estetica contemporanea (*) | Economia
|
| 08:10-08:50 | |||||
| 09:00-09:40 | Economia
| Inglés (Englisch) | | Gestion y calculo financiera | |
| 09:40-10:20 | Inglés | Computa-cion | |||
| 10:30-11:10 | Consejeria
| Microem-prendimiento - Entwicklung und Aufbau eines mini-Unternehmens
| Micro-emprendi-miento | Instrucción Civica | Lengua y Literatura |
| 11:10-11:50 | Matematica
| ||||
| 12:00-12:40 | Computacion
| Matematica | | Matematica | |
| 12:40-13:20 | | | |||
| | | | |
| |
(*) in Microemprendimiento sollen wir in Gruppen eine kleine Geschäftsidee ausarbeiten und diese dann in Kauf, Produktion und Verkauf umsetzen, allerdings werden wir vermutlich in kein Handelsregister eingetragen. Wir müssen Lohn zahlen, das Anfangskapital selbst stellen und 10% „Steuern“ an eine gemeinnützige Stiftung abgeben. Finde ich nicht schlecht. Mal sehen wie das ganze endet. Wobei ich nur die ersten 6 Monate dabei sein kann. Ich bin gespannt, wie viel wir verdienen.
Es ist immer noch unglaublich heiß. Die höchste Temperatur war glaube ich 45ºC. Neben der Hitze gibt es hier auch eine hohe Luftfeuchtigkeit, da wir hier viel Wald haben.
Der Verkehr hier ist, gemessen an deutschen Standards das totale Chaos. Hier gibt es zwar nicht so viele Autos wie in Peking oder Manhattan, dafür fährt hier jeder grad so wie er will. Man sieht auch kaum Höchstgeschwindigkeitsschilder. Ich glaube aber, innerstädtisch sind 40 km/h erlaubt, vielleicht auch fünfzig. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht 80 km/h ist, so schnell ist hier nämlich die normale Geschwindigkeit, innerstädtisch. Und jeder zweite hier fährt mit Gas (GNC). Das ist deutlich günstiger als Benzin. Und das ist hier mit 3,50 argentinischen Peso (≈ 0,78 €) pro Liter viel billiger als in Deutschland. Dafür sind die Neuwagen sehr teuer. So sieht man z.B. den VW Golf oder den Opel Astra (hier Chevrolet) viel seltener als in Deutschland. Dafür umso häufiger den VW Gol (eine Mischung aus Polo und Fox) und den Chevrolet Corsa. Auch sehr häufig zu sehen sind der Fiat 600, der „Fiddito“, sowie andere Fiat, zudem ist der Peugeot 504 hier viel unterwegs. Da die meisten Autos mehr als 15 Jahre alt sind, würde ein TÜV-Kontrolleur einen Herzschlag kriegen, nur vom äusseren Anblick mancher Autos. Allerdings kann man auch schon mal eine C-Klasse sehen, oder einen BMW 3er oder X5-aber das sind Ausnahmen, da deutsche Premiumautos, wie in ganz Südamerika geradezu unerschwinglich sind. Da kauft man lieber einen Toyota Hilux.
Auch schön: hier kann man häufig beobachten wie manche mit ihrer fünfköpfigen Familie auf einem Motorrad durch die Stadt düsen. Natürlich alle ohne Helm.
Ich habe mittlerweile meinen Abflugtermin festgelegt. Mein Lufthansa Flug Nr.511 geht am Freitag, 31.07.2009, in Buenos Aires ab, und kommt am 01.08.2009 in Frankfurt/Main um 15:00Uhr an.
Damit viele Grüsse aus dem Nordwesten Argentiniens und bis zum nächsten Mal,
Euer Tobias

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